Gitarre

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Gi|tar|re [gi'tarə], die; -, -n:
meist sechssaitiges Zupfinstrument mit flachem Klangkörper und langem Hals:
er spielt Gitarre; sie begleitet ihren Gesang mit der Gitarre.
Syn.: Klampfe.

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Gi|tạr|re 〈f. 19; Mus.〉 sechssaitiges Zupfinstrument mit achtförmigem Körper; Sy 〈umg.〉 Klampfe, 〈veraltet〉 Zupfgeige [<span. guitarra <arab. kittara, grch. kithara;Zither]

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Gi|tạr|re , die; -, -n [span. guitarra < arab. qīt̲ārah < griech. kithára, Zither]:
Zupfinstrument mit flachem [einer Acht ähnlichem] Körper u. breitem Hals mit meist sechs Saiten:
er lernt G. spielen;
einen Sänger auf der G. begleiten;
zur G. singen.

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Gitarre,
 
Abkürzung g [englisch Guitar], Zupfinstrument; Stimmung: E A d g h e1, Tonumfang: E-c3; oktavtransponierend, Klang eine Oktave tiefer als notiert; Violinschlüssel, auch Tabulatur; Kapodaster (Barré).
 
Typen:
 
Konzertgitarre (klassische Gitarre, spanische Gitarre): Kunststoffsaiten (Nylon); Fingeranschlag; geeignet für Lied- und Chansonbegleitung, Flamenco und für Solospiel ;
 
Vollresonanzgitarre (Plektrumgitarre): großes Korpus mit langem, schmalem Hals, gewölbte Decke und Boden; zwei f-Schalllöcher; Steg und Saitenhalter getrennt, Steg in Höhe verstellbar; Korpus mit einseitiger Einbuchtung (Cutaway) am Halsansatz für leichteres Spiel in hohen Lagen; starke Stahlsaiten; Plektrumanschlag; geeignet als Rhythmusinstrument, auch für Soli (mit elektrischer Verstärkung);
 
Halbresonanzgitarre: kleineres Korpus, flachere Zargen, meist beidseitige Einbuchtungen am Halsansatz; wegen geringer Eigenresonanz nur elektrisch verstärkt spielbar; ein bis drei Tonabnehmer (Pick-up) und Klangregler; dünne Metallsaiten; Plektrumanschlag;
 
Solidbodyguitar (Brettgitarre, E-Gitarre): kleines, unterschiedlich geformtes, massives flaches Korpus (»Brett«, besonders geeignet für Musizieren im Stehen); minimale Eigenresonanz, zwei bis drei Tonabnehmer, diverse Klangregelungen; auch mit Vibratohebel; schmaler Hals, bis zu 23 Bünde; sehr dünne Metallsaiten; Plektrum, auch Fingeranschlag; geeignet für Rock- und Popmusik (mit zahlreichen Effektgeräten);
 
Doubleneckguitar (Doppelhalsgitarre): vergrößertes Korpus (Brett) mit zwei Hälsen; Besaitung entweder sechs- und zwölfsaitig oder sechs- und viersaitig (Bassgitarre);
 
Westerngitarre: großes Korpus mit rundem Schallloch, flache, auch gewölbte Decke, schmaler Hals; stabile Konstruktion für Stahlbesaitung (sechs- und zwölfsaitig); Plektrum, auch Fingeranschlag, auch Picks (Fingerpicking) und Bottleneck; voller massiver Klang; geeignet für Countrymusic, Folk, auch Popmusik; Stimmung des Zwölfsaiters:
 
Ovation: Variante der Konzertgitarre (auch zwölfsaitig) mit abgerundeter Rückseite (Roundback) aus Fiberglas, 1966 von Charles Kaman (Gründer der Firma Ovation) entworfen; sehr gute Klangeigenschaften;
 
 
Besaitung: Bei Nylon (Konzertgitarre) sind die Basssaiten (E, A, D) mit feinem Draht aus Gold, Bronze oder Silberlegierung umsponnen. Bei Stahlsaiten unterscheidet man Roundwound-Strings (Metallkern mit rundem Metalldraht umwickelt; lauter, metallisch heller Klang; für Rock und Folk) und Flatwound Strings (Metallkern mit Metallband umwickelt oder geschliffene Oberfläche; leiser, warmer, etwas dumpfer Klang mit wenig Nebengeräuschen; gut für Studioarbeit). Weiterhin muss die Saitenstärke (englisch gauge) berücksichtigt werden: dicke Saiten (heavy) — lauter, länger stehender Ton; dünne Saiten (light) — für Bending- und Slur-Effekte.
 
Zu einigen terminologischen Fragen. Die dominierende Rolle, die die Gitarre gegenwärtig in der populären Musik spielt, kommt auch in zahlreichen verbreiteten umgangssprachlichen Begriffsbildungen zum Ausdruck:
 
akustische und elektrisch verstärkte (E-)Gitarre: Gegensatzpaar, wobei das (hier eigentlich unsinnig gebrauchte) Adjektiv »akustisch« auf die unverstärkte »Natur«-Gitarre verweist;
 
Konzertgitarre: umgangssprachliche Bezeichnung des Basismodells, für das seit dem 18. Jahrhundert eine umfangreiche »klassische« Literatur (daher auch »klassische« Gitarre) entstanden ist; Einsatz in populärer Musik jedoch viel weiterreichender, insofern einengender Begriff;
 
E-Gitarre: im weiteren Sinne Sammelbegriff für alle elektrisch verstärkten Gitarren (Plektrum-, Halbresonanz-, Brettgitarre);
 
Folkguitar, Rockgitarre usw.: vereinfachte, zusammenfassende Umschreibung von stilistischen und spieltechnischen Spezifika, die sich mit dem Einsatz des Instruments innerhalb eines bestimmten Genres verbinden;
 
Leadguitar, Rhythmguitar: Funktionsdarstellung innerhalb einer Gruppe, also führende (Lead) Melodiestimme, rhythmische Begleitung
 
Slideguitar, Picking Guitar usw.: Bezeichnung einer bestimmten Gitarrespielweise.
 
Die Herkunft der Gitarre ist noch immer ungewiss. Vermutlich kamen gitarreähnliche Instrumente noch vor dem 10. Jahrhundert aus dem Orient mit den Arabern nach Spanien. Dort kann man ihre Spuren seit dem 13. Jahrhundert verfolgen. Seither erfuhr die Gitarre zahlreiche bauliche Veränderungen, das betraf z. B. die äußere Gestalt, die Anzahl und Chörigkeit der Saiten, die Stimmung u. a. Seine heutige Form erhielt das Instrument im 18. Jahrhundert.
 
Eine erste Blütezeit erlebte die Gitarre (als Vihuela) bereits im 16./17. Jahrhundert in Spanien, wo sie sich als akkordisches Begleitinstrument (Rasgueado-Technik) zu Liedern und Tänzen, besonders bei den Seguidillas und Romanzen in allen Bevölkerungsschichten großer Beliebtheit erfreute. Große Fingerfertigkeiten verlangt der Gitarrepart im Flamenco. Hier mischt sich virtuoses Akkord- und Melodiespiel. Die Flamenco-Musik hat die Gitarretradition in Spanien und Lateinamerika, besonders in Brasilien, nachhaltig geprägt. In Italien verbreitete sich die Gitarre (auch als Viola bezeichnet) stärker als Solisteninstrument mit anspruchsvollerer (Melodie-)Spieltechnik. Bald hatte sie sich auch England und Frankreich erobert. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde sie in Deutschland und Österreich (Wien!) zum Modeinstrument. Nach kurzem Popularitätsrückgang brachte die Wandervogelbewegung nach 1900 eine erneute massenhafte Verbreitung (Klampfe, auch Zupfgeige).
 
Ohne Zweifel ist die Gitarre eines der beliebtesten und verbreitetsten Instrumente der populären Musik und hat selbst das Klavier zurückgedrängt. Die Gründe dafür sind recht unterschiedlich. Man kann mit relativ wenig Aufwand eine einfache akkordische Begleitung zum Gesang erlernen, außerdem bietet die Gitarre kaum Transportprobleme. Die große Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten (Folk, Blues, Rock, Jazz, Tanzmusik usw.) inspiriert zum Mitmachen entsprechend dem eigenen Interesse. Darüber hinaus sind spätestens seit den Sechzigerjahren durch die Beat- bzw. Rockmusik mit dem differenzierten Einsatz der (E-)Gitarre neue Hörgewohnheiten geweckt und geformt worden.
 
Nach Nordamerika kam die Gitarre erst verhältnismäßig spät, durch den Deutschen C. F. Martin, der 1833 das erste Instrument hier baute. Die Afroamerikaner spielten danach bald auf einfachen selbstgebauten Gitarren ebenso wie auf dem Banjo. In Lateinamerika entstanden zahlreiche Abarten, z. B. große Gitarren mit Bassfunktion, Guitarrones, aber auch kleine Typen wie Charango, Cavaquinho, Tres, Tiples und Cuatro. Sie dienen der Lied- und Tanzbegleitung, oft mehrfach besetzt. Unter Einfluss der spanischen Gitarretradition (in jüngerer Zeit u. a. durch Andrés Segovia, 1893-1967 und Vincente Gomes, 1911-1983) bildete sich aber auch ein beachtliches Solistentum, namentlich in der populären Musik Brasiliens, heraus, so z. B. Laurindo Almeida (1917-1995), Egberto Gismonti (* 1947), Baden Powell (* 1937), Luiz Bonfá (* 1922) u. a.
 
Innerhalb der afroamerikanischen Musik im Norden Amerikas verdient die Gitarre zunächst, als Begleiter und Dialogpartner der umherziehenden Bluessänger hervorgehoben zu werden. Einerseits gibt sie den Grundrhythmus an, andererseits »beantwortet« sie die vom Sänger aufgeworfenen »Fragen«, indem sie in den mehr oder weniger langen Gesangspausen innerhalb der Bluesformel (Takte 3/4, 7/8, 11/12) melodische Figuren einwirft (Ruf-Antwort-Prinzip, Call and Response). Da die Bluessänger/gitarristen das Instrument »sprechend« einsetzen, ergeben sich bezüglich der Tongebung neue klanglich-ästhetische Dimensionen, ohne die die Gitarre im Jazz und im Rock nicht denkbar wäre. Dazu gehören Glissandi, Dirty Tones, Blue Notes, off pitchness, Vibrato und andere mehr. Belege dafür finden sich im frühen Blues, so bei Huddie Ledbetter (1885-1948), Big Bill Broonzy (1893-1958) und Blind Lemon Jefferson (1897-1930). Diese Traditionslinie, die von der Kreativität zahlloser Musiker, besonders aber Aaron T-Bone Walker (1910-1975) und Muddy Waters (1915-1983) gezeichnet ist, gipfelt in dem als »King of the Blues« apostrophierten B. B. King (* 1925). Sein vitales, intensives, nuanciertes Gitarrenspiel wurde Bezugspunkt und letztlich Maßstab für alle folgenden Blues- und Rockgitarristen. Es ist interessant festzustellen, dass Bluesgitarristen einerseits pianistische Techniken auf die Gitarre übertragen haben, z. B. Blind Arthur Blake (1880-1935) die Ragtime-WechselBass-Technik, die er für solistisches Bluesspiel nutzte, dass aber andererseits Gitarrebegleitfiguren der Bluessänger den Boogie-Woogie maßgeblich prägten.
 
Beeinflusst von den farbigen Bluesgitarristen, aber auch auf europäischer Tradition fußend, nimmt die Gitarre in der Volksmusik der weißen US-Amerikaner breiten Raum ein. Bluegrass und Countrymusic sind wie die davon abgeleiteten kommerziellen Formen (Country and Western, Western Swing) ohne Gitarre nicht denkbar. Für diese, einen möglichst vollen Naturklang der Gitarre bevorzugenden Musikrichtungen baute man spezielle Instrumente mit einem größeren Korpus (sechs- bzw. zwölfsaitige Westerngitarre) bzw. mit Metall-Resonator (Dobro). Auch wurden einige wichtige Spieltechniken von den Afroamerikanern übernommen und ausgebaut bzw. selbst entwickelt, z. B. das Fingerpicking, das Bottleneck (Slideguitar), das Anwenden offener Stimmungen (Open Tunings), spezielle Anschlagsarten usw. Zu nennen sind Doc Watson (* 1923), Merle Travis (1917-1983) und viele andere. Viele dieser Begleitfiguren finden sich in der Folkmusic wieder, z. B. bei Bob Dylan (* 1941), Joan Baez (* 1941), Pete Seeger (* 1919).
 
In den Jazz kam die Gitarre relativ spät — erst Ende der Zwanzigerjahre verdrängte sie das Banjo aus der Rhythmusgruppe, weil sie sich klanglich besser dem Swing-Ideal näherte als das metallisch-harte Banjo und durch die andere Besaitung und Stimmung eine günstigere akkordische Begleitung ermöglichte. Als Rhythmusinstrument oblag ihr die harmonische Begleitung, im Swing meist im federnden Durchschlagen der vier Viertel. Vorreiter dafür war Freddie Green (1911-1987), langjähriger Gitarrist des Orchesters Count Basie. Für diese Rhythmusarbeit in Bigbands und Combos war die mit Stahlsaiten bezogene, im Korpus vergrößerte Plektrumgitarre konstruiert worden, sie hatte ein erhöhtes Klangvolumen und konnte durch den von Johnny St. Cyr (1890-1966) und Bud Scott (1890-1949) eingeführten Plektrumanschlag kürzer und prägnanter gespielt werden (Schlaggitarre). Dennoch hatte sie es besonders bei solistischen Passagen schwer, sich gegenüber den anderen Instrumenten klanglich zu behaupten. So war es letztlich eine logische Folge, dass von Fortschritten in der Verstärkertechnik auch der Gitarrenbau durch Anbringen von Tonabnehmern profitierte. Versuche mit Tonabnehmern wurden bei der Firma Gibson schon zwischen 1920 und 1924 durchgeführt. Eddie Durham (1906-1987) soll als Erster eine elektrisch verstärkte Gitarre eingesetzt haben. Als richtungsweisend muss jedoch Charlie Christian (1892-1942) genannt werden. Er gilt als Begründer des modernen Jazzgitarrespiels, was sich nicht nur auf die »Elektrifizierung«, sondern mehr noch auf sein an der Saxophonspielweise orientiertes Musizieren (Single-String-Technik) und sein harmonisches Gespür bezieht. Neben Christian ist aber unbedingt Django Reinhardt (1910-1953) zu erwähnen, dessen Zusammenarbeit mit dem Geiger Stéphane Grappelli im Quintette du Hot Club de France (drei Gitarren, Violine und Bass; 1934-1939) weltweites Aufsehen erregte. Reinhardt verband Elemente der Zigeunermusik und der modernen französischen Musik mit dem Swing in einer virtuosen Mischung von Akkord- und Melodiespiel. Von Christian und Reinhardt profitierten u. a. Billy Bauer (* 1915), Barney Kessel (* 1923), Jimmy Raney (* 1927), Jim Hall (* 1930), Tal Farlow (1921-1998) und Joe Pass (* 1929). Neue Impulse gab Wes Montgomery (1925-1968) mit seinen durchdacht sparsamen, dem Blues verpflichteten Improvisationen und dem Einzelstimmenspiel in Oktaven. Er beeinflusste die jüngere Gitarristengeneration, die mit Jazzrock (Fusion), häufig auch mit folkloristisch inspirierten Experimenten, in jedem Falle aber mit durchaus eigenen Handschriften an die Öffentlichkeit trat, z. B. George Benson (* 1943), Larry Coryell (* 1943), Pat Martino (* 1944), Al DiMeola (* 1954), Pat Metheny (* 1950) und quasi als neue Symbolfigur John McLaughlin (* 1942). Sie spielen E-Gitarre, greifen aber immer wieder auf die unverstärkte »akustische« Gitarre zurück (z. B. die Live LP »Friday Night in San Francisco« mit Al DiMeola, John McLaughlin und Paco DeLucia, 1980).
 
Da die elektrische Verstärkung der Gitarre letztlich den für den Eigenklang des Instruments notwendigen Resonanzkörper (Resonanz) überflüssig macht, setzten schon in den Dreißigerjahren Experimente mit neuartigen Gitarreformen ein, die über zahlreiche Konstruktionsversuche schließlich zur Halbresonanz- und Brettgitarre führten. Der US-Amerikaner Les Paul (Lester Paul Polfus, geboren 1916) spielte schon 1941 auf einer Solidbody-Gitarre (genannt »The Log«), die er mit der Firma Epiphone entwickelt hatte. In den Folgejahren produzierte er zahlreiche Trickaufnahmen mit seiner Gitarre, das heißt er spielte mehrere Spuren übereinander, die dann, mit zusätzlichen Effekten versehen, abgemischt wurden. Er hatte damit große Publikumsresonanz und wurde — neue Klangräume eröffnend — zu einem Wegbereiter der Rockgitarristen. Den eigentlichen Durchbruch erzielte die E-Gitarre im Rhythm and Blues und Jahre später weltweit im Rock 'n' Roll, verbunden mit dem Namen Chuck Berry (* 1931) und viele andere mehr.
 
Für die Rockmusik ist die elektrisch verstärkte Gitarre nicht nur das Hauptinstrument schlechthin, sondern darüber hinaus Symbol (vergleiche Abbildungen auf Covers, Werbepostern usw.) und Synonym (»Gitarrenmusik«) gleichermaßen. Mit dem Aufkommen und der Verbreitung der Beatmusik Anfang der Sechzigerjahre begannen Tausende junger Menschen sich diesem Instrument zuzuwenden. Auch bei den namhaften Gruppen handelte es sich zunächst um Amateurmusiker, und ein qualitativer Vergleich etwa mit dem Leistungsvermögen der Jazzgitarristen muss zwangsläufig zuungunsten der Rockmusiker ausfallen. Doch ist dabei zu beachten, dass dem Einsatz der Gitarre im Rock grundsätzlich eine andere musikalische Konzeption zugrunde liegt, nämlich das gruppenbezogene Melodie-(Lead)- und Rhythmusspiel. In den Titeln der frühen Sechziger lässt sich diese bewusste Funktionstrennung innerhalb der Gitarrengruppe deutlich verfolgen, später verwischt sie sich. In »Apache«, 1960 wochenlanger Bestseller der Shadows, ist dieses neue Klangbild bereits angedeutet.
 
Von nachhaltigem Einfluss auf die Rockgitarristen war das von B. B. King und Chuck Berry geprägte Spiel der englischen Bluesgitarristen der Sechzigerjahre (Blues Revival), insbesondere von Eric Clapton (* 1945), Jim Page (* 1944) und Jeff Beck (* 1944). Nachgerade zur Symbolfigur wurde der farbige Amerikaner Jimi Hendrix (1942-1970), nicht nur durch sein engagiertes, kraftvolles, oft exzentrisches Musizieren, sondern auch durch das Nutzen neuer Klangmöglichkeiten der E-Gitarre, z. B. das Einbeziehen der akustischen Rückkopplung (Feedback) und des Verzerrers, das Anreißen der Saiten mit den Zähnen usw. Als Beleg dafür mag die deformierende Verfremdung der USA-Hymne durch elektronische Klangmassen gelten, die Hendrix 1969 auf dem Woodstock Festival als Protest gegen das militärische Engagement der USA in Vietnam vorstellte. Seither wird das Gitarrenspiel meist mit verschiedenen Effektgeräten gekoppelt, wobei deren Einsatz von der jeweiligen Stilistik der Gruppe abhängig ist (nach 1970 war ein Rückgang in der Vordergründigkeit des verfremdeten Gitarretons zu verzeichnen; rückbesinnende neue »Einfachheit«). Einige weitere Namen mögen stellvertretend für die Vielfalt individueller Gitarrespielweisen im Rock stehen: Duane Allman (1946-1971), Carlos Santana (* 1947), Frank Zappa (1940-1993) und Eddie Van Halen (* 1957), Steve Vai (* 1960), Yngwie Malmsteen (* 1963) und John Petrucci (* 1966) von Dream Theater.
 
Populäre Gitarrenmusik heute ist die unbeschreibbare Vielfalt der Folk-, Jazz- und Rockgitarristen mit den genannten herausragenden Persönlichkeiten, wie Leo Kottke (* 1945), Peter Horton (* 1941) und Siegfried Schwab (* 1940, etwa die LPs »Guitarissimo«, 1978 und 1982), der durch seine virtuose Spielweise (Tapping) bekannt gewordene Stanley Jordan (* 1959) und der Popmusik Ricky King (* 1946). Und schließlich sind es Tausende Amateurmusiker und Gitarrefreunde, die im Gitarrenspiel eine sinnvolle Freizeitgestaltung sehen.
 

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Gi|tạr|re, die; -, -n [span. guitarra < arab. qītārah < griech. kithára, ↑Zither]: Zupfinstrument mit flachem [einer Acht ähnlichem] Körper u. breitem Hals mit meist sechs Saiten: er lernt G. spielen; ein junger ... Offizier, der eine G. in den Armen hatte und mit dem Daumen klimperte (Bieler, Bonifaz 59); einen Sänger auf der G. begleiten; zur G. singen.

Universal-Lexikon. 2012.

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